Event Date: 20. November 2015
Event Time: 20:00

36481_Sepp_Gallauer
20.11.15 – 20:00 Uhr
VVK 8€, AK 10€

Die Wladigeroff-Zwillinge sind der überaus quirlige und flexible Kern einer Wiener Szene, bei der – fernab irgendwelcher intellektueller Kategoriesierungen – Jazz, klassische und ethnische Elemente (vor allem balkanischer und orientalischer Provenienz) sich zwanglos zu immer neuen Mixturen zusammenfügen, ob beim fröhlichen Party-Swing von Fatima Spar und den Freedom Fries, bei Kooperationen mit anderen Wien-Zuwanderern wie Ljubinka Jokic und Otto Lechner , Kadero Ray oder ihrem eigenen stärker zu Modern Jazz tendierenden Bandprojekt, mit dem sie ihre gefeierte Debüt-CD „Wanderer in Love“ (2007/Extraplatte) verwirklicht haben. Die Herkunft aus dem klassischen Idiom mit abenteuerlustigem Ausloten der Kombinationsmöglichkeiten zwischen Jazz und dem ethnischen „Grundmaterial“, das im bulgarischen Fall unsere Vorstellungen von „Volksmusik“ in jeder Hinsicht überbietet, ist im Hause Wladigeroff alte Familientradition, handelt es sich bei Alexander und Konstantin doch um die Enkel des bedeutendsten bulgarischen Komponisten Pantscho Wladigeroff (1899-1978) und Söhne des Komponisten, Pianisten und langjährigen Dirigenten des Radiosymphonieorchesters Sofia, Alexander Wladigeroff sen. (1933-1993), (der den Argwohn der kommunistischen Kultur-Nomenklatura in den 60er Jahren bereits mit Gerschwin-Inszenierungen und seiner Zusammenarbeit mit Milcho Leviev erregte). Die allgegenwärtigen Bezüge zu ethnischen Themen sind bei den Wladigeroffs und ihrer exzellenten Crew keine kommerziellen Zugeständnisse an irgendeinen „Balkan-Boom“, dessen tanzwütigen Anhängern die metrisch komplizierte bulgarische Musik ohnehin zu steil ist, die DJ Shantels Klezmer-Polka-Steps immer den Vorzug geben würden und die Jazz meiden wie die Katze das Wasser. Die Früchte der südosteuropäischen Musiktraditionen sind (gleich den lateinamerikanischen und afroamerikanischen) schlichtweg zu verlockend und geschmacklich nuanciert, dass man auf ihre Ernte verzichten dürfte. Es kommt bloß auf die Fabrikation an, wie uns die Wladigeroff-Brüder in ihrem Feinkostladen vorbildlich vorführen. Ekstase, die nie auf die Kosten von Niveau geht. (Richard Schubert)